
Am Sonntag, den 26. Oktober 2025, führte die Züchtervereinigung Limpurger Rind ihre diesjährige Züchterrundfahrt zu zwei Mitgliedsbetrieben im Rems-Murr-Kreis durch. Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von moderner, zugleich traditionell verwurzelter Limpurger-Zucht zu machen.
Die Rundfahrt begann auf dem Wacholderhof der Familie Burkardt bei Murrhardt. Der Wacholderhof – organisiert als Verein „einfach leben und lernen e.V.“ – wirtschaftet ökologisch und versteht sich als Lern- und Erlebnisort für Landwirtschaft im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Regionalität, Bio-Produktion und faire Wirtschaftsweisen prägen das Betriebskonzept.
Im Mittelpunkt des Betriebsrundgangs stand die Limpurger Mutterkuhherde. Die Burkardts erläuterten ihre Fütterungs- und Haltungsstrategie, den Weidegang auf den teils steilen Flächen sowie die Bedeutung der Rasse für Naturschutz, Landschaftspflege und regionale Vermarktung. Die Diskussionen drehten sich unter anderem um Zuchtziele, Robustheit und Zweinutzungscharakter der Rasse.
Im Anschluss an den Betriebsrundgang stärkten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einem gemeinsamen Mittagessen auf dem Wacholderhof. Aufgetischt wurde Braten vom Limpurger Rind mit passenden Beilagen aus überwiegend regionaler und ökologischer Erzeugung. Immer wieder wurde im Gespräch betont, dass gerade die Verbindung aus Erhaltung einer regional verwurzelten Rasse, Tierwohl, handwerklicher Verarbeitung und regionaler Wertschöpfung ein wichtiges Verkaufsargument gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern darstellt.
Am Nachmittag führte die Rundfahrt zum Biolandhof Rapp. Die Familie Rapp bewirtschaftet ihren Hof seit 1989 nach Bioland-Richtlinien und hat eine vielfältige Fruchtfolge mit Getreide und Futterbau aufgebaut. Parallel wurde eine Direktvermarktung im Hofladen entwickelt, in dem heute ein breites Sortiment an Bioprodukten angeboten wird.
Die Limpurger Rinder stehen in einem modernen Stall, gebaut mit Auslaufflächen nach Biolandkriterien. Für die Mutterkühe sind Weideflächen vom Stall aus zugänglich. Vermarktungspartner ist eine regionale Bio-Metzgerei, die die Qualität der Limpurger Rinder zu schätzen weiß.
Bei der Hofführung standen die Anforderungen der Bioland-Richtlinien an Tierhaltung und Ackerbau sowie die Organisation der Mutterkuhherde und Abkalbestrategie verbunden mit dem Weidemanagement und der Futtergrundlage des Betriebs. Aber auch das Kundenverhalten und die Entwicklungsmöglichkeiten in der Direktvermarktung waren Thema.
Nach der Besichtigung des Betriebs wurde die Gelegenheit zum persönlichen Austausch unter den Züchtern bei Kaffee und Kuchen ausgiebig genutzt.
Unser herzlicher Dank gilt den Familien, die einen Einblick in ihre Betriebe gewährten und für das leibliche Wohl sorgten. Die Züchterrundfahrt zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Limpurger Rinder in der Praxis gehalten und vermarktet werden können. Die gelb- bis rotgelben, mittelrahmigen Tiere mit feinem Knochenbau und guter Fleischqualität bieten sowohl für Mutterkuhhaltung als auch für spezielle Vermarktungskonzepte interessante Perspektiven.
Besonders erfreulich war der hohe Anteil junger Züchterinnen und Züchter und neuer Mitglieder unter den Teilnehmenden. Diese brachten sich aktiv in die Diskussionen ein und machten deutlich, dass die älteste württembergische Rinderrasse auch in der kommenden Generation fest verankert ist. In vielen Gesprächen wurde deutlich, dass die junge Generation bereit ist, Verantwortung für die Erhaltung dieser alten, regional bedeutsamen Rasse zu übernehmen und neue Vermarktungswege zu erschließen.
Die Züchtervereinigung Limpurger Rind kann auf eine rundum gelungene Lehrfahrt zurückblicken, die fachlichen Austausch, praktische Anschauung und geselliges Beisammensein in idealer Weise miteinander verbunden hat – ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung der Zuchtarbeit in der Region.
